Samstag, 4. Juli 2015

Es gibt ein Bild von Paul Cézanne mit dem Titel "Schädelpyramide" von 1901, das bemerkenswert ist, weil der Maler dabei die dargestellten Objekte sehr, sehr nahe an den Bildbetrachter herangerückt hat. Das hat Cézanne ansonsten bei seinen Stillleben nicht getan, wo Früchte, Schalen etc. immer einen gewissen Abstand in die Bildtiefe hinein haben. Die ollen Totenschädel aber ragen ganz weit vorne im Bild auf. Sich des Todes gewiss sein. Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis... Es ist ein Jammer, dass für den großen Gedanken im Leben - warte nur balde - so wenig Raum ist. Die Karlsruher Schädelpyramide ist ein winziger Versuch. So viel Quatschbilder, so viel Spaß überall. Hier ist eines (Bild Nr. 123), das mal dem Tod Erinnerung leisten will. Alles, was Du baust, Karlsruhe, geht wieder kaputt Unter deiner Pyramide auf dem Marktplatz liegen die Gebeine. Der Gründervater-Urtote ist schon immer da. Aus Pietätsgründen (wie es heißt) ist das Innere der Pyramide nicht öffentlich zugänglich. Momentan ist da sowieso Baustelle und keiner käme hin. Aber auch, wenn die Bagger und Bohrer abgezogen sein werden, wird das Grabmal nicht besuchbar werden. Die wenigsten Karlsruher sorgen sich darum. Auch auf diese Weise verdrängen wir das memento mori aus unserem Karlsruher Alltag. 
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